"Digitale Assistenten entlasten die Pflegefachkräfte"
Dieter Weißhaar (Foto) ist CEO der myneva Group, einem der führenden europäischen Softwareanbieter für den sozialen Sektor. Er begleitet seit über 30 Jahren internationale Unternehmen bei der Digitalisierung und bei Change-Prozessen. Im Interview erklärt Weißhaar, wie Digitalisierung wirken kann, wenn in der Altenpflege nicht Insellösungen, sondern vernetzte Systeme zum Einsatz kommen.
Myneva
Dieter Weißhaar ist CEO der europäischen myneva Group
Mit welchen Herausforderungen sind soziale Einrichtungen heute konfrontiert?
In der Altenpflege kommt heute vieles zusammen: Kostendruck, Fachkräftemangel, mehr Nachweispflichten und komplexere Abläufe. Im Alltag verbringen Pflegekräfte viel Zeit mit Verwaltung, Dokumentation und dem Übertragen von Informationen – teils noch von handschriftlichen Notizen in den PC. Das ist fehleranfällig und nimmt Zeit weg, die eigentlich für die direkte Versorgung gebraucht wird.
Dazu kommen verschiedene Anwendungen, Medienbrüche und manuelle Zwischenschritte. Der demografische Wandel verschärft die Lage: Immer mehr Menschen brauchen Pflege, während weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Deshalb müssen Prozesse effizienter werden, damit Pflegekräfte entlastet werden und die Versorgungsqualität gesichert bleibt.
Wo liegt das größte Potenzial für Entlastung im Arbeitsalltag?
Ein großer Hebel liegt in Dokumentation, Aufnahme und Verwaltung. Integrierte Spracheingabe und KI-gestützte Assistenzsysteme können Pflegeberichte, Beobachtungen oder Maßnahmen direkt während der Versorgung erfassen und in die richtigen Prozesse übernehmen.
Bei Aufnahmeprozessen können Informationen aus Faxen, Arztbriefen oder handschriftlichen Unterlagen automatisch ausgelesen werden. Mitarbeitende müssen dann nicht mehr alles neu erfassen, sondern nur prüfen und ergänzen. Auch eine strukturierte Informationssammlung kann bereits vorgeschlagen werden.
Was versteht myneva unter digitalen Assistenten?
Wir sprechen bewusst von digitalen Assistenten, weil es nicht nur darum geht, einzelne Abläufe zu digitalisieren. Ein digitaler Assistent soll Pflegekräfte aktiv unterstützen. Er kann vorschlagen, erinnern oder zusammenfassen, aber der Mensch hat immer das letzte Wort.
Ganz praktisch heißt das: Eine Pflegekraft erfasst eine Beobachtung mobil oder per Sprache, und der Assistent weist auf fehlende Informationen oder nächste Schritte hin. Im ambulanten Bereich kann er auch bei kurzfristigen Tourenänderungen unterstützen. Er ersetzt keine Fachkraft, sondern hilft, den Überblick zu behalten.
Warum reichen isolierte Einzellösungen nicht aus?
Viele Einrichtungen nutzen bereits digitale Anwendungen. Trotzdem entsteht oft zusätzlicher Aufwand, weil Systeme nicht gut genug verbunden sind. Informationen müssen mehrfach eingegeben oder übertragen werden.
Ein gutes Beispiel ist die Spracheingabe. Sprache zu erkennen ist heute technisch keine Besonderheit mehr. Entscheidend ist, was danach passiert. Wenn bei einer Wundversorgung oder nach einem Sturz weitere Schritte nötig sind, müssen diese automatisch angestoßen werden, etwa durch Benachrichtigungen, Formulare oder Maßnahmen. Wirkliche Entlastung entsteht erst, wenn digitale Assistenz direkt in die Kernprozesse eingebunden ist.
Was bedeutet verantwortungsvoller KI-Einsatz im Sozialwesen?
Gerade in der Altenpflege geht es um sensible Gesundheits- und Pflegedaten. Deshalb sind Vertrauen, Datenschutz und Sicherheit zentral. Dazu gehört auch Datensouveränität: Einrichtungen und die Menschen, die sie versorgen, müssen entscheiden können, wer auf Daten zugreifen darf und wie sie genutzt werden.
Das ist bei KI besonders wichtig, weil viele Systeme mit Daten arbeiten. Daten dürfen nicht unkontrolliert auf Plattformen außerhalb Europas verarbeitet oder für fremde Zwecke genutzt werden. myneva setzt deshalb auf Services auf eigenen Plattformen in Europa, damit Einrichtungen die Kontrolle behalten.
Wie verändert digitale Assistenz langfristig den Arbeitsalltag?
Digitale Assistenten können den Alltag in der Altenpflege spürbar entlasten, weil sie notwendige Verwaltungsaufgaben einfacher machen. Ziel ist nicht, Pflegepersonal durch Technologie zu ersetzen. Es geht darum, Freiräume zurückzugeben.
Die Interaktion soll möglichst einfach sein: Man stellt Fragen und bekommt Antworten, erhält Hinweise und Erinnerungen, Übergaben können vorbereitet und Berichte unterstützt werden. Die fachliche Entscheidung bleibt bei den Pflegekräften. So können digitale Assistenten dazu beitragen, dass Mitarbeitende wieder stärker das tun können, wofür sie ihren Beruf gewählt haben: Menschen gut versorgen.
myneva bietet ein On-Demand-Webinar mit Dieter Weißhaar an, um aufzuzeigen, wie KI hilft, den Pflegefachkräften bis zu einer Stunde pro Tag zu sparen.
Lesen Sie mehr zu myneva und den digitalen Lösungen in der myneva Woche auf Care vor9.